Filmkritik „Somm“ 2013

Film Somm Master Sommelier Diploma

Filmabend bei Tastavin – Somm

Freitag ist Filmfreitag bei Tastavin. Wir schauen uns aber nicht nur die letzte Marvel-Comic-Verfilmung oder den neuesten Transformers-Film mit noch mehr Explosionen und Alienrobotern und Witzen auf Schulhofniveau an, manchmal schafft es auch ein wirklich guter Film in die heiligen Kellergewölbe des Tastavin-Hauptquartiers. So freute ich mich, den 2013er Film Somm über die Rockstars der Weinszene, die Sommeliers, meinen Kollegen zeigen zu können. „Ein Film über Sommeliers?“ Ja, ein Film über Sommeliers, aber die ganz guten unter ihnen.

Film Somm Master Sommelier Diploma

Eine der schwersten Wein-Prüfungen der Welt – sagt man zumindest

Eine der höchsten Auszeichnungen in der Welt der Sommeliers ist das Master Sommelier Diploma, das jährlich vom Court of Master Sommeliers in den USA vergeben wird. Dieser Titel zeichnet die besten der besten unter den Top-Sommeliers der Welt aus. Die Prüfung gilt als eine der schwersten der Welt und in den letzten 40 Jahren schafften weniger als 230 Prüflinge den Test zu überstehen. Das erzählt zumindest der Film.

Der Film begleitet über mehrere Jahre eine Gruppe von Sommeliers, die sich auf die Prüfung vorbereiten. Das bedeutet, man sieht sehr oft wie sich Männer betrinken und massenhaft Wein in kleine Becher spucken und darüber reden, was sie grad betrunken macht. Für uns als Weinliebhaber ist das großartig anzusehen! Immerhin ist Geselligkeit und Freude beim Trinken, weshalb wir mit dem Wein-Business begonnen haben.
Das ist aber nur die eine Seite des Films. Die andere Seite zeigt den enormen Stress, mit dem die Anwärter kämpfen bzw. den sie sich selbst auferlegen. Wir sehen den Profi-Sommelier, der nachts mit kistenweise klein beschriebenen Karteikärtchen, auf denen er die Regionen und Unterregionen georgischer Weinberge notierte, studiert bis die Sonne aufgeht, ebenso wie den Weindozent (ja, sowas gibt es auch!), der mit Zen-artiger Gelassenheit an die Prüfung denkt und sich eher Sorgen um die Leistungsfähigkeit seiner erkälteten Nase macht.
Auch wer weniger Interesse an Wein hat, wird den Film spannend finden, denn die Kameras fangen sehr gut die Nervosität, den enormen selbstauferlegten Leistungsdruck, aber auch die Zusammenarbeit und Teamwork sehr gut ein.

Alles über jeden Wein wissen – in 5 Sprachen

Für Weinkenner und Liebhaber zeigt sich ein sehr großes Bild der gesamten Welt des Weinwissens mit all ihren tausenden Besonderheiten und Ausnahmeregelungen. Eine Bemerkung eines Sommeliers fasst dies gut zusammen: „Du musst alles über jeden einzelnen Wein in der Welt wissen. Und das auch noch in Englisch, Französisch, Italienisch, Deutsch und Spanisch.“
Das Besondere an dieser Dokumentation ist, dass der normalsterbliche Weinliebhaber einen Blick hinter die Kulissen einer der prestigeträchtigsten Auszeichnungen im Weinbusiness schauen kann. Das ist teilweise unfreiwillig komisch, enthält viele „Was zur Hölle!?“-Momente, z.B. wenn ein Weinaroma mit alten Damenhandtaschen oder frisch abgeschnittenen Gartenschläuchen beschrieben wird, macht den Zuschauer manchmal traurig. Man leidet sehr mit, aber gleichzeitig nimmt man viel über Weingeschmack, Geschichte der Weinreben und das Weingeschäft mit.

Was uns an Somm weniger gefällt

Allerdings gibt es einige Kritikpunkte, die beim Anschauen auffielen. Man bekommt schnell das Gefühl, als ginge es bei der Master Sommelier Gemeinschaft um eine sehr kleine Bruderschaft, die nur sehr lokal agiert. Es scheint wie eine typische US-Amerikanische Produktion. Alle Prüfer, Prüflinge und sonstigen Beteiligten waren Teil einer relativ kleinen Gruppe von US-Amerikanern. Der Fokus des Films und der Prüfung ist klar die USA als Zielgruppe, so finden die Prüfungen selbst nur in den USA statt. Dafür, dass im Film die ganze Zeit von Superlativen und „Der schwierigsten Prüfung der Welt“ die Rede ist, lässt der Film sehr viel der Weinwelt außerhalb der Grenzen der USA einfach außen vor. Daneben ist die Prüfung alles andere als transparent. Die Prüflinge erfahren nie, ob ihre Antworten richtig oder falsch waren, nur ob sie bestanden haben oder nicht bzw. nur sehr vage Empfehlungen für den nächsten Prüfungstermin.

Das Tastavin-Fazit über Somm

Trotz der Kritikpunkte bleibt Somm ein auffallend fesselnder und emotionaler Film, der auch für Menschen, die wenig über Wein wissen, interessant sein dürfte. Als Weinliebhaber nimmt man nicht nur Faktenwissen mit, sondern gewinnt auch einen – manchmal ernüchternden, manchmal verzaubernden – Einblick in eine sehr faszinierende Veranstaltung.
Ganz klares Ergebnis: auf jeden Fall mit einem guten Glas Wein in der Hand ankucken!

Trailer auf Youtube ansehen oder bei Amazon bestellen.

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Über Max 19 Artikel
Max schreibt für Tastavin über die neuesten Weinentdeckungen. Angefangen hat er mit einer Vorliebe für alten Whiskey und dunklen Rotwein, heute findet er, dass Wein in erster Linie interessant sein und eine Geschichte erzählen muss, egal ob frischer Beaujolais Primeur oder alter Bordeaux.

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